Ein TI-Upgrade kommt in die deutschen Praxen (August 2024)
Wie das Upgrade zum TI-Gateway den Praxisalltag insbesondere in der Psychotherapie vereinfacht, lesen Sie in unserem Experteninterview.

HASOMED: Guten Tag, Herr Chelvier. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview zum Thema TI-Gateway nehmen. Der TI-Zugang erhält ein großes Upgrade und heißt nun TI-Gateway. Dieses Thema ist sehr komplex, was ist überhaupt das TI-Gateway?
René Chelvier: Guten Tag. Das TI-Gateway ist die neue Generation des TI-Anschlusses, welches als zentraler Zugang zu den Diensten der TI konzipiert wurde. Damit werden sowohl die Konnektoren in den Praxen als auch die bisherigen Rechenzentrumslösungen abgelöst. Das von der gematik zugelassene TI-Gateway ist sicherer, leistungsstärker, zuverlässiger, skalierbarer und im Vergleich zu den bisher verwendeten Technologien zukunftsfähiger. Alle Leistungserbringende sollten, spätestens zum Ablauf des Konnektors oder der Laufzeitverlängerung, zum TI-Gateway umziehen. Das ist vergleichbar mit dem Wechsel vom analogen Telefonanschluss zum Mobiltelefon.
HASOMED: Welche Vorteile bietet das TI-Gateway und was ändert sich hier speziell für Therapeut:innen?
René Chelvier: Ich möchte zwei Punkte hervorheben. Erstens hat der Datenschutz höchste Priorität. Besonders erwähnenswert sind die sehr strengen Einschränkungen für den Rechenzentrumsbetreiber. Dieser kann und darf keine personenbezogenen Daten einsehen, die der Konnektor in seiner Rolle als Gateway verarbeitet, z. B. die eAU, die KIM-Mail oder die gesteckten Gesundheitskarten für den Datenabgleich. Ausschließlich die Therapeut:innen oder der beauftragte Support haben hier Einblicke in den Konnektor. Aber auch der Schutz der Daten von außen ist mehrfach gesichert, so dass ich überzeugt bin, dass das TI-Gateway vor unbefugtem Zugriff besser geschützt ist als der eigene Konnektor in der Praxis. Zweitens wurde eine verbindliche Verfügbarkeit des TI-Gateways mit der gematik definiert. Das erhöht die Zuverlässigkeit der Abläufe in einer Praxis deutlich. Beide Punkte wurden von der gematik nicht nur spezifiziert, sondern auch von dem BSI, einem unabhängigen Gutachten und Datenschutzbeauftragten geprüft und zertifiziert.
HASOMED: Das klingt sehr vielversprechend. Wo liegt der genaue Unterschied zwischen der bisherigen Rechenzentrumslösung TI as a Service (TIaaS) und dem TI-Gateway?
René Chelvier: Bei TIaaS wurden ambulante Praxen mittels VPN an einen normalen Konnektor im Rechenzentrum angebunden. Die zugelassenen Komponenten waren der Konnektor und der VPN-Zugangsdienst zur TI. Beim TI-Gateway hingegen wird der Konnektor durch den neuen Highspeed-Konnektor (HSK) im Rechenzentrum ausgetauscht. Dieser HSK lässt sich beliebig skalieren, was eine schnellere und stabilere Verbindung ermöglicht. Zusätzlich ist nun die gesamte Lösung geprüft und zugelassen.
HASOMED: Das klingt sehr effizient und sicher. Ändert sich auch rechtlich etwas für die Praxisinhabenden?
René Chelvier: Ja, und das freut mich persönlich sehr! Beim TI-Gateway entfällt die Notwendigkeit für Leistungserbringende, eine separate Vereinbarung zur Auftragsdatenverarbeitung mit dem Anbieter zu schließen. Sie sind somit nicht mehr für den Betrieb der Konnektoren im Rechenzentrum verantwortlich, die Praxen werden aus der Verantwortung genommen.
HASOMED: Können Sie uns mehr über die Rechenzentren von RISE und Ihre Erfahrungen berichten?
René Chelvier: Die Rechenzentren von RISE befinden sich in Nürnberg und München. Weiterhin betreibt RISE bereits das österreichische Pendant zur Telematikinfrastruktur und hat 2018 einen eigenen Konnektor für Deutschland entwickelt. Der Betrieb des TIaaS läuft seit der Einführungsphase nun fast zwei Jahre sehr stabil mit mehr als 15.000 Leistungserbringenden.
HASOMED: Das klingt doch gut. Ab wann wird das TI-Gateway von RISE zugelassen und wie wird die Verfügbarkeit in den kommenden Monaten aussehen?
René Chelvier: Das TI-Gateway wird im Sommer 2024 zugelassen. Bis zum Jahresende werden in einer ansteigenden Anlaufphase immer mehr Praxen das TI-Gateway nutzen.
HASOMED: Vielen Dank, Herr Chelvier, für diese aufschlussreichen Informationen. Wir freuen uns auf die Weiterentwicklung des TI-Gateways.


